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Andrej Shevchenkos Frau Anna leitet am selben Institut die Massenspektrometrie-Abteilung. Erst vor kurzem hat das Forscher-Duo bereits ein anderes Archäologie-Projekt abgeschlossen und die Ergebnisse veröffentlicht. In ihrer Schreibtischschublade hat Anna Shevchenko noch einige Plastikröhrchen mit hellbraunen Krümeln – es handelt sich um 2500 Jahre alte Grabbeigaben, die bei Ausgrabungen auf der antiken chinesischen Begräbnisstätte Subeixi gefunden wurden. „Auch bei diesem Projekt haben wir die Protein-Rückstände aus einer getöpferten Tonschale analysiert und konnten danach das prähistorische Rezept eines Sauerteigbrots rekonstruieren“.
Quantitative Proteomik als vielversprechende Methode auch für die Archäologie
„Die Archäologie hatten wir eigentlich nie auf dem Schirm. Da sind wir einfach durch eine Mail-Anfrage des chinesischen Archäologen Yimin Yang hineingerutscht“, sagt Shevchenko. Der hatte die Idee, seine Funde mit hochmodernen quantitativen Proteomik-Methoden analysieren zu lassen und schickte den Dresdner Forschern dann die ersten Käsebrocken. Dazu mussten sie erst Methoden entwickeln, mit denen man Proteine von Organismen mit bisher unsequenziertem Erbgut identifizieren kann.
Damit sind die Projekte echte Pionierarbeit und zeigen nun vor allem, dass die quantitative Proteomik nicht nur in der biomedizinischen Forschung sinnvoll einsetzbar ist, sondern auch für die Archäologie eine vielversprechende Methode sein könnte: „Die bisher in der Archäologie genutzten Analysemethoden nahmen immer die DNA oder Fette in den Blick – dabei sind die aber bei sehr alten organischen Proben oft völlig unbrauchbar.
Proteine wurden bisher ignoriert, weil man immer meinte, sie würden völlig abgebaut werden, seien schwer zu handhaben und die Ergebnisse wären unter Umständen kontaminiert mit Proteinen aus der Umgebung. Unser Ansatz eröffnet also für die Analyse von organischen Resten auf archäologischen Funden ganz neue Möglichkeiten“, so Anna Shevchenko weiter.
Im Gegensatz zu Fetten tragen Proteine sehr viel Informationen in Molekülform in sich: So kann die Anordnung der Aminosäuren, aus denen die Proteine bestehen, auch Hinweise auf Verarbeitungsvorgänge, wie etwa Fermentation, enthalten. Die Proteomik könnte damit zu einer interessanten und geeigneten Methode im Bereich der Archäometrie avancieren.
Originalpublikation: Yimin Yang, Anna Shevchenko, Andrea Knaust, Idelisi Abuduresule, Wenying Li, Xingjun Hu, Changsui Wang, Andrej Shevchenko, Proteomics Evidence for Kefir Dairy in Early Bronze Age China, Journal of Archaeological Science, 4. Dezember 2013 (DOI: 10.1016/j.jas.2014.02.005)
(ID:42562021)

