English China
Suchen

Killer-T-Zellen Neuer Therapieansatz gegen Herpesvirus entdeckt

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Viele Menschen tragen das Herpesvirus 6 in sich, ohne das sie sich dessen bewusst sind. Erst wenn ihre Immunabwehr geschwächt ist, kann es gesundheitliche Folgen haben, bis zur Schädigung verschiedener Organe. Forscher am Helmholtz Zentrum München haben nun Virusbestandteile identifiziert, an denen so genannte Killer-T-Zellen angreifen können – ein möglicher Ansatz für neue Therapien.

Firmen zum Thema

Forscherin arbeitet mit Zellkulturen am Inkubator.
Forscherin arbeitet mit Zellkulturen am Inkubator.
(Bild: Helmholtz Zentrum München)

München – Die meisten Menschen erwerben das humane Herpesvirus 6, kurz HHV-6, bereits in der frühen Kindheit. Es handelt sich dabei um einen entfernten Verwandten des Herpes-Simplex-Virus, das die bekannten Bläschen im Mundbereich verursacht, hat aber ganz andere Auswirkungen. Die Infektion mit HHV-6 kann im Säuglings- oder frühen Kleinkindalter zum so genannten Dreitagefieber führen. Später verbleibt das Virus lebenslang im Körper. Obwohl es im Allgemeinen die Gesundheit nicht beeinträchtigt, vermutet man, dass HHV-6 zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen und des chronischen Erschöpfungssyndroms (englisch: chronic fatigue syndrome) beitragen kann. Gesichert ist: Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem, beispielsweise nach Transplantationen, haben Schwierigkeiten, das Virus unter Kontrolle zu halten. Das kann zu schwersten Schädigungen verschiedener Organe führen.

Killer-T-Zellen erkennen 16 verschiedene Virusstrukturen

Um diesem Risiko entgegenzuwirken, beschäftigen sich Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München damit, wie das Immunsystem das Virus in Schach hält. „Wir studieren den Werkzeugkasten des Immunsystems“, erklärt PD Dr. Andreas Moosmann, der in der Abteilung Genvektoren die DZIF-Forschergruppe HOCOVLAR Host Control of Viral Latency and Reactivation) leitet. „Und wir haben ein paar interessante neue Werkzeuge entdeckt, die wir bereits nachbauen konnten.“

Konkret untersuchten die Forscher, welche Strukturen des Virus die Killer-T-Zellen bevorzugt angreifen. Sie können infizierte Zellen zerstören und so die Vermehrung des Virus im Körper verhindern.

Angeführt von Erstautorin Larissa Martin und Doktorandin Alexandra Hollaus entdeckten die Forscher 16 Strukturen des Virus, an denen HHV-6-spezifische Killerzellen andocken und angreifen können. Dazu durchsuchten sie den Erreger zunächst digital mithilfe eines Algorithmus, der knapp 300 mögliche Angriffsstellen identifizierte. Weitere Analysen reduzierten den Kreis auf 77 Möglichkeiten. Den Wissenschaftlern gelang es, gegen 20 davon entsprechende T-Zellen herzustellen, von denen 16 tatsächlich ihr Ziel binden und die infizierte Zelle zerstören konnten.

„Es können offenbar sehr unterschiedliche Virusproteine ​​als Zielstruktur für das Immunsystem dienen“, so Andreas Moosmann. „Zudem beobachten wir bei gesunden Personen regelmäßig T-Zellen gegen diese Strukturen genauso wie bei Transplantationspatienten, die das Virus in Schach halten können.“ "Wir sind nun dabei, dies bei einer größeren Zahl von Patienten zu überprüfen", fügt PD Dr. Johanna Tischer hinzu – sie ist Transplantationsmedizinerin am Klinikum Großhadern. Langfristig wollen Andreas Moosmann und sein Team die Erkenntnisse für neue Therapien nutzbar machen: „Ein Ausbruch des Virus könnte möglicherweise verhindert werden, indem man Patienten HHV-6-spezifische Killer T-Zellen verabreicht. Bis dahin haben wir aber noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.“

Original-Publikation: Martin, L. et al. (2018): Cross-sectional analysis of CD8 T cell immunity to human herpesvirus 6B. PLOS Pathogens, DOI: 10.1371/journal.ppat.1006991

(ID:45277190)