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Erster Future Insight Prize

Pandemiebekämpfer in Darmstadt ausgezeichnet

| Autor: Christian Lüttmann

Pardis Sabeti (mitte) von der Harvard University und James E. Crowe (rechts) vom Vanderbilt Vaccine Center in Nashville haben den Future Insight Prize 2019 von Merck-CEO Stefan Oschmann erhalten.
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Pardis Sabeti (mitte) von der Harvard University und James E. Crowe (rechts) vom Vanderbilt Vaccine Center in Nashville haben den Future Insight Prize 2019 von Merck-CEO Stefan Oschmann erhalten. (Bild: Lichtbildatelier Eva Speith)

Pandemien sind Bill Gates zufolge die größte Bedrohung der Menschheit. Nun hat Merck gleich zwei Forscherteams ausgezeichnet, die mit ihrer Arbeit dem Traumprodukt eines „Pandemic Protector“ ein Stück näher gekommen sind. In Darmstadt bekamen sie den ersten Future Insight Prize überreicht und erhielten je eine halbe Millionen Euro Preisgeld.

Darmstadt – „Wir wissen nicht wann oder wo, aber wir wissen dass die nächste große Pandemie irgendwann kommen wird.“ Mit diesen Worten unterstreicht Merck-CEO Stefan Oschmann gleich zu Beginn der Preisverleihung am 9. Juli, welche Brisanz der Pandemieforschung zugrunde liegt. Während sich das Wetter zumindest auf kurze Sicht vorhersagen lässt, sind Pandemien auch heute noch überraschend und nicht zuverlässig zu prognostizieren. Wenn die ersten Fälle von Erkrankungen in Verbindung miteinander gebracht werden, ist es meist schon zu spät.

Große Pandemien liegen längst nicht alle in grauer Vorzeit wie die Pest oder Syphilis. So fielen vor nur 100 Jahren geschätzt 50 Millionen Menschen der Spanischen Grippe zum Opfer; und in den 1980er Jahren kostete die zunächst unkontrollierte Ausbreitung von HIV ebenfalls viele Millionen Menschenleben. Jüngst beunruhigten auch die hohen Zahlen an Neuinfektionen mit Ebola in Afrika Beobachter weltweit. Vielleicht ist das aber nur die Spitze des Eisbergs und die nächste große Pandemie ist bereits im Anmarsch. „Wie gut wir letztlich auf kommende Pandemien vorbereitet sein werden, hängt von dem ab, was wir heute tun“, betont Oschmann. Und dabei sind alle gleichermaßen gefordert, egal wo auf der Welt. „Denn Viren machen an keiner Grenze halt.“

Beschützer gegen zukünftige Pandemien

Eine große Schwierigkeit bei der Pandemiebekämpfung ist, die Erreger frühzeitig zu erkennen und schnell und zuverlässig wirksame Gegenmittel zu erstellen. Ideal wäre ein „Pandemic Protector“ – ein Gerät, das diese Aufgabe vollständig erfüllt, bis hin zur Produktion eines passenden Impfstoffes. Noch ist das allerdings lediglich ein „Traumprodukt“. Um den Weg dahin zu ebnen, hat Merck nun den ersten Future Insight Prize verliehen.

Aus über hundert Einreichungen kamen zehn in die finale Auswahl und durften ihre Forschungsprojekte einer Fachjury vorstellen. Diese entschied schließlich, dass gleich zwei der Beiträge den ersten Platz und damit den Preis bekommen sollen: Pardis Sabeti von der Harvard University und James E. Crowe vom Vanderbilt University Medical Center leisten beide wegweisende Arbeit für die Pandemieprävention. Sie erhielten am 9. Juli 2019 den von Merck ins Leben gerufenen Future Insight Prize in der Kategorie „Pandemic Protector“. Das Preisgeld von einer Millionen Euro wurde zu gleichen Teilen zwischen den beiden Gewinnern aufgeteilt.

Ergänzendes zum Thema
 
Der Future Insight Prize

Schnelle Virenabwehr dank Geneditierung

Pardis Sabeti widmet sich der Erforschung neuer Gentechnologien zum Nachweis und zur Therapie von Infektionskrankheiten. Dabei legt sie besonderes Augenmerk auf eine potenziell breite Anwendbarkeit bei neuen Viren. „Unser kollaborativer Ansatz hat es möglich gemacht, dass wir in Zusammenarbeit mit Forschern, Ärzten und medizinischen Fachkräften weltweit nicht nur praktische Lösungen entwickelt haben, sondern deren erfolgreiche Anwendung während Ausbrüchen von Infektionskrankheiten an vorderster Front unter Beweis stellen konnten“, sagt die Systembiologin.

Sie war z.B. 2014 beim Ebola-Ausbruch in Sierra Leone vor Ort und hat mit ihren Kollegen hautnah miterlebt, wie sich eine Pandemie ausbreitet. An den Proben von Patienten verfolgte Sabetis Team die Entwicklung des Virus und entdeckte u.a. eine Mutation, die den Erreger für Mensch-zu-Mensch-Übertragungen infektiöser machte.

Auf Basis der Geneditierung entwickelt Sabeti Werkzeuge, die RNA-Viren in der Zelle erkennen und potenziell angreifen können. Die Technologie lässt sich schnell an neu auftretende Krankheitserreger anpassen und stellt somit einen möglicherweise wichtigen Fortschritt im Hinblick auf die Realisierung eines „Pandemic Protector“ dar, heißt es in der Begründung zu ihrer Auszeichnung.

Antikörper als Waffe gegen Pandemien

James E. Crowe, Direktor des Vanderbilt Vaccine Center, forscht auf dem Gebiet der viralen Immunologie und der Antikörperwissenschaften mit dem Ziel, wichtige Mechanismen zur Entwicklung neuer Therapeutika und Impfstoffe zu entdecken. Dabei konzentriert er sich auf humane monoklonale Antikörper gegen Ebola-, Dengue-, Zika- und Marburg-Viren.

Crowe verfolgt den Ansatz der Generalisierung: Er sucht gezielt Patienten, bei denen eine schwere Erkrankung vom Körper selbst abgewehrt wurde. In diesen Fällen analysiert er dann Blutproben bis ins letzte Detail, um die Antikörper zu finden, die für die Resistenz verantwortlich sind. Die Erkenntnisse aus einem solchen Sonderfall überträgt er dann auf andere Patienten.

Mit seiner Arbeit hat Crowe bereits eine Technologie entwickelt, die es ermöglicht, innerhalb weniger Wochen einen neutralisierenden Antikörper gegen bedrohliche neue Viren zu erzeugen. Darüber hinaus forscht sein Labor an einer Reihe von Antikörperkandidaten gegen alle Arten von möglicherweise neu auftretenden Viren bekannter Virusfamilien.

„Ich freue mich sehr über das Engagement von Merck im Zusammenhang mit dem Future Insight Prize und neuen Infektionserregern“, sagt Crowe. „Ich habe dieses Gebiet in den Mittelpunkt sowohl meiner Karriere als Wissenschaftler als auch der Arbeit meines großen und talentierten Teams gestellt, da ich fest von der Dringlichkeit der Thematik überzeugt bin. Wir befinden uns in einer idealen Position, um von unserer aktuellen Dynamik bei der Entwicklung von Lösungen für neu auftretende Infektionen zu profitieren.“

Nach Pandemieschutz kommt der Resistenzbrecher

Im kommenden Jahr wird Merck den nächsten Future Insight Prize in der Kategorie „Multidrug Resistance Breaker“ vergeben. Bei diesem „Dream Product“ handelt es sich um eine Reihe neuartiger antibakterieller Wirkstoffe mit engem Wirkspektrum, die jede bakterielle Infektion heilen sollen, ohne eine Medikamentenresistenz hervorzurufen. Basieren soll dies auf einem Test, der innerhalb einer Stunde eine Diagnose liefert.

Wissenschaftskonferenz: Drei Tage Neugier

Erste Curious-Konferenz von Merck

Wissenschaftskonferenz: Drei Tage Neugier

19.07.18 - Wissenschaft lebt von Neugier – das weiß man auch beim Darmstädter Unternehmen Merck. Dieses hat mit der Konferenz Curious2018 ein von nun an jährliches Ereignis geschaffen, bei dem sich Wissenschaftler und Interessierte über aktuelle Trends in Forschung und Technik austauschen können. Das Debüt der Konferenz bot unter anderem die Ankündigung eines neuen hochdotierten Forschungspreises. Zudem gaben renommierte Forscher in Diskussionsrunden Denkanstöße, zum Beispiel warum auch Misserfolge die Wissenschaft voranbringen. lesen

Nominierungen für den Preis 2020 können Sie bis zum 31. Dezember 2019 an futureinsightprize@merckgroup.com senden. Die Preisverleihung findet dann auf der Wissenschaftskonferenz „Curious – Future Insight” statt, die vom 13. bis 15. Juli 2020 in Darmstadt gehalten wird.

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