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Körber-Preis 2018 für Svante Pääbo Pionier der Paläogenetik erhält Auszeichnung

| Autor/ Redakteur: Sandra Jacob* / Christian Lüttmann

Wer sich mit der Evolutionsgeschichte des Menschen beschäftigt, kommt kaum an ihm vorbei: Prof. Dr. Svante Pääbo hat Pionierleistungen auf dem Gebiet der Paläogenetik erbracht – und dafür nun den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2018 erhalten. Wie seine Forschung das Bild des modernen Menschen verändert hat, lesen Sie in diesem Beitrag.

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Der Neandertaler und wir: Prof. Dr. Svante Pääbo faszinieren die Genome unserer Vorfahren.
Der Neandertaler und wir: Prof. Dr. Svante Pääbo faszinieren die Genome unserer Vorfahren.
(Bild: Karsten Möbius)

Leipzig – Am 7. September 2018 wurde Prof. Dr. Svante Pääbo im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2018 überreicht. Mit 750.000 Euro zählt er zu den weltweit höchstdotierten Forschungspreisen. Zu Pääbos bedeutendsten wissenschaftlichen Erfolgen zählt die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms. Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert, heißt es im Urteil der Jury. Dazu gehöre auch der Nachweis, dass Neandertaler und andere ausgestorbene Hominiden einen wesentlichen Beitrag zur Abstammung der heutigen Menschen geleistet haben.

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Der Körber-Preis

Die Körber-Stiftung zeichnet seit 1985 jedes Jahr einen wichtigen Durchbruch in den Natur- oder Lebenswissenschaften in Europa aus. Prämiert werden exzellente und innovative Forschungsansätze mit hohem Anwendungspotenzial. Nach Verleihung des Körber-Preises erhielten bislang sechs Preisträgerinnen und Preisträger den Nobelpreis.

Pionier der Paläogentik: Prof. Dr. Svante Pääbo nimmt in Hamburg den Körber-Preis 2018 entgegen.
Pionier der Paläogentik: Prof. Dr. Svante Pääbo nimmt in Hamburg den Körber-Preis 2018 entgegen.
( Bild: Max-Planck-Gesellschaft )

Karrierestart mit altägyptischen Mumien

Pääbo studierte an der Universität Uppsala Ägyptologie und Medizin. Als Doktorand in der Immunologie wies er nach, dass DNA in altägyptischen Mumien überdauern kann, und erlangte so fachlichen Ruhm als Pionier des neuen Forschungsgebietes der Paläogenetik. Paläogenetiker erforschen die Genome altertümlicher Organismen und ziehen daraus Rückschlüsse auf den Verlauf der Evolution.

Nach seiner Promotion arbeitete Pääbo im Team des Evolutionsbiologen Allan Wilson an der University of California in Berkeley. Ab 1990 leitete er ein eigenes Labor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1997 wechselte Pääbo als einer von fünf Direktoren an das neu gegründete Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, wo der 63-jährige auch heute noch tätig ist.

Geklärte Verwandtschaftsverhältnisse

Bereits Mitte der 1990er-Jahre konnten Pääbo und sein Team einen relativ kurzen Bestandteil der Mitochondrien-DNA eines Neandertalers entschlüsseln. Mitochondrien sind winzige Kraftwerke in Zellen, die diese mit Energie versorgen und über eine eigene DNA verfügen. Diese DNA der Neandertaler unterschied sich deutlich von dem Erbgut heutiger Menschen. Damit war erwiesen, dass Neandertaler nicht die direkten Vorfahren jetziger Menschen sind.

Da die DNA-Sequenzierungsmethoden Anfang der 2000er-Jahre sehr viel effizienter wurden, begann Pääbo das komplette Genom der Neandertaler zu sequenzieren, das im Zellkern vorhanden ist.

Ein gigantisches Puzzle

Die Schwierigkeit bei dieser Genomsequenzierung: Die Knochen von Neandertalern sind nach Jahrtausenden im Boden von Bakterien und Pilzen derart stark besiedelt, dass bis zu 99,9 Prozent der darin gefundenen DNA von Mikroben stammt. Zudem liegen die geringen Mengen verbliebener Neandertaler-DNA nur in kurzen Bruchstücken vor, die wie ein gigantisches Puzzle zusammengesetzt werden müssen. Viele Wissenschaftler glaubten, diese Aufgabe sei unlösbar.

Pääbos Team ersann jedoch neue Lösungen. So arbeiteten die Forscher unter Reinraum-Bedingungen vergleichbar mit denen in der Chip-Industrie. Damit konnten sie verhindern, dass sie versehentlich ihre eigene DNA in die Versuche einbrachten. Darüber hinaus entwickelten sie effizientere Extraktionsmethoden, die die Ausbeute der Neandertaler-DNA verbesserten. Komplexe Computerprogramme, die die DNA-Schnipsel der altertümlichen Knochen mit Referenz-Genomen von Schimpansen und Menschen verglichen, halfen dabei, das Genom der Neandertaler zu rekonstruieren.

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