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Dr. Arne Ludwig fügt hinzu: "Höhlenbilder von Pferden sind in ihrer Ausführung oft sehr rudimentär, aber einige detaillierte Darstellungen aus Westeuropa und dem Ural sind dennoch realistisch genug, um erkennen zu lassen, dass es sich bei den Darstellungen um lebendige Tiere handelt. Die Muster und Farben der Höhlenzeichnungen entsprechen unseren genetischen Untersuchungsergebnissen."
„Unsere Vorfahren haben das gemalt, was sie gesehen haben“
Die genaue Anzahl altsteinzeitlicher Standorte mit Tierdarstellungen ist wegen der anhaltenden Debatte über die Identifizierung der Tierarten auf einigen Bildern und deren eindeutige Datierung ungewiss. Bisher wurden mindestens 40 Standorte aus der Altsteinzeit in Südwestfrankreich im Gebiet von Dordogne-Périgord identifiziert, eine ähnlich große Anzahl in den Küstengebieten von Kantabrien in Nordspanien und rund ein Dutzend Standorte in den südfranzösischen Gebieten der Ardèche und von Ariège am Fuße der Pyrenäen. Dort, wo Tierabbildungen am sichersten bestimmt werden konnten, gab es meistens auch Abbildungen von Pferden. Prof. Terry O'Connor, Archäologe an der University of York, ist an der Interpretation der Ergebnisse beteiligt. Er sagt: "Darstellungen von Tieren aus der Altsteinzeit haben das Potenzial, um aus erster Hand Einblicke in die physische Umwelt der Menschen zu erhalten, die vor Tausendenden von Jahren gelebt haben. Allerdings wird die Motivation hinter den Zeichnungen, und damit der Grad an Realismus der Darstellungen heiß diskutiert. Beispielsweise haben die Darstellungen der Pferde aus Pech-Merle für viele Debatten gesorgt. Unsere Ergebnisse zeigen jetzt, dass sich ein Abbild der Wirklichkeit hinter den Zeichnungen verbirgt. Unsere Vorfahren haben das gemalt, was sie gesehen haben. Das gibt uns ein tieferes Verständnis bei der Interpretation von anderen Tierzeichnungen aus der Zeit des Pleistozän.“
Tigerschecken bei westeuropäischen Pferden aus dem Pleistozän keine Seltenheit
In modernen Pferden findet man die Tigerscheckung in Variationen von einigen wenigen weißen Flecken bis hin zum völligen Weiß. Die weißen Bereiche dieser Pferde können auch pigmentierte ovale Flecken aufweisen, bekannt als Tigerschecken. Dr. Monika Reißmann von der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin erklärt: "Dieser Phänotyp war im Zeitalter des Barock sehr gefragt. Danach sind Pferde mit Tigerschecken aus der Mode gekommen und wurden sehr selten. Heutzutage sind Tigerschecken wieder ein beliebtes Erscheinungsbild, das bei mehreren Pferderassen wie beim Knabstrupper, Appaloosa und den Norikern wieder gezüchtet wird."
Die Tatsache, dass vier von zehn Proben der westeuropäischen Pferde aus dem Pleistozän den Genotyp besitzen, der für das Erscheinungsbild der Tigerschecken verantwortlich ist, lässt vermuten, dass dieser Typ keineswegs selten im damaligen Westeuropa vorkam. Die am häufigsten vorkommende Fellfarbe bei Pferden vor der Domestikation war wohl braun – in 18 von 31 Proben ließ sich genetisch die Fellfarbe braun nachweisen. Dies ist auch der am häufigsten gemalte Phänotyp bei Pferdezeichnungen aus dem Zeitalter der Altsteinzeit.
Originalpublikation: M. Pruvost, R. Bellone, N. Benecke, E. Sandoval-Castellanos, M. Cieslak, T. Kuznetsova, A. Morales-Muniz, T. O'Connor, M. Reissmann, M. Hofreiter, A. Ludwig. Genotypes of predomestic horses match phenotypes painted in Paleolithic works of cave art. Proceedings of the National Academy of Sciences, 2011; DOI: 10.1073/pnas.1108982108
(ID:30194940)

