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America first? Sanofi-Chef löst Empörung über Bevorzugung der USA bei Corona-Impfstoff aus

| Redakteur: Alexander Stark

Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson hat mit Äußerungen über eine mögliche Bevorzugung der USA bei einem künftigen Corona-Impfstoff in Frankreich breite Empörung ausgelöst. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron schaltete sich in die Debatte ein. Der Präsident setze sich für eine koordinierte und multilaterale Reaktion ein, damit ein möglicher Impfstoff für alle als ein öffentliches Gut verfügbar sei, heißt es aus Regierungskreisen.

Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson hatte für Irritationen gesorgt, als er deutlich gemacht hatte, dass die USA bei dem Impfstoff gegen Corona Vorrang hätten.
Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson hatte für Irritationen gesorgt, als er deutlich gemacht hatte, dass die USA bei dem Impfstoff gegen Corona Vorrang hätten.
(Bild: Sanofi)

Paris (dpa) - Werden die USA bei einem künftigen Impfstoff gegen das Coronavirus von Sanofi bevorzugt? Emmanuel Macron als mächtigster Franzose hat da auch ein Wort mitzureden. Bald soll es ein Treffen auf Spitzenebene geben. Der 42-Jährige setze für eine koordinierte und multilaterale Reaktion ein, damit ein möglicher Impfstoff für alle als ein öffentliches Gut verfügbar sei. Das verlautete aus Kreisen des Pariser Präsidialamts. Der Impfstoff müsse der „Logik der Märkte“ entzogen werden.

Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson hatte die Irritationen mit einem Interview ausgelöst. Er habe deutlich gemacht, dass die USA bei dem Impfstoff Vorrang hätten, berichtete die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Denn die USA hätten als erste die Forschung unterstützt. Die US-Regierung habe „das Recht für die größte Vorausbestellung“, hatte die Agentur den Topmanager am Mittwoch zitiert. Später versicherte das französische Unternehmen, einen künftigen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 allen anzubieten. Hudson habe klargestellt: „Der Impfstoff gegen Covid-19 wird allen Bürgern zur Verfügung gestellt, egal welcher Nationalität.“

Die Brüsseler EU-Kommission betonte, beim Zugang zu einem Coronavirus-Impfstoff dürfe es keine Unterschiede zwischen einzelnen Ländern geben. Der Impfstoff gegen Covid-19 sollte ein weltweit öffentliches Gut sein, sagte ein Sprecher. Der Zugang müsse „gerecht und allgemein“ sein.

Frankreichs Premier Édouard Philippe erklärte, Sanofi-Präsident Serge Weinberg habe ihm „alle notwendigen Zusicherungen“ gegeben, dass ein Impfstoff in Frankreich zur Verfügung stehen würde. Ein Impfstoff gegen Covid-19 sei ein globales öffentliches Gut. Der gleiche Zugang für alle zum Impfstoff sei nicht verhandelbar.

Die beiden Pharmakonzerne Sanofi und Glaxo Smith Kline hatten bereits im April mitgeteilt, sie wollten gemeinsam an einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 arbeiten. Sollten Tests erfolgreich verlaufen, könnte ein Impfstoff in der zweiten Jahreshälfte 2021 verfügbar sein.

Sanofi teilte mit, der Konzern produziere in den USA, Europa und anderen Regionen. „Die US-Produktion wird hauptsächlich für die USA selbst erfolgen, alle anderen Produktionskapazitäten decken Europa und den Rest der Welt ab“, hieß es in einer Erklärung. Die Zusammenarbeit mit der US-Behörde Barda (Biomedical Advanced Research and Development Authority) ermögliche es, die Herstellung zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt aufzunehmen. „Zugleich ermutigt es uns zu sehen, dass die EU-Kommission in den letzten Wochen zu ähnlichen Maßnahmen mobilisiert, die sowohl die Entwicklung von Impfstoffen als auch deren Zugang für die Bevölkerung in Europa beschleunigen könnten“, so der Konzern. Es gebe „sehr konstruktive Gespräche“, unter anderen mit den EU-Institutionen und den Regierungen in Paris und Berlin.

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