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Resistom von Salaten untersucht

Studie beweist: Salat und Rohkost kann Antibiotika-resistente Keime tragen

| Autor / Redakteur: Dr. Suzan Fiack* / Dr. Ilka Ottleben

Antibiotikaresistente Keime: Können Rohkost und Salat ein Gesundheitsrisiko sein?
Antibiotikaresistente Keime: Können Rohkost und Salat ein Gesundheitsrisiko sein? (Bild: Manfred Wigger)

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Salat und Rohkost gilt als gesund und essentieller Teil einer ausgewogenen Ernährung. Bekannt ist allerdings auch, dass diese Lebensmittel mit potenziell krankmachenden Keimen belastet sein können. Im Zeitalter Antibiotika-resistenter Bakterien ist es daher eigentlich nicht verwunderlich, dass auch solche auf Salat und Rohkost gelangen können, wie Forscher nun nachgewiesen haben. Was diese Ergebnisse möglicherweise problematisch macht und was man daher beim Verzehr beachten sollte, lesen Sie hier.

Berlin – Salate sind beliebte Lebensmittel, um sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Für den Konsum werden sie oft bereits fertig geschnitten und in Folie verpackt zum Kauf angeboten. Von solchen Frischeprodukten ist bekannt, dass sie mit Hygiene-relevanten Keimen kontaminiert sein können. Dass darunter auch Keime sind, die Resistenzen gegen Antibiotika tragen, hat eine Arbeitsgruppe unter Federführung von Professor Dr. Kornelia Smalla vom Julius-Kühn-Institut (JKI) nachgewiesen.

Gülle & Co. als mögliche Kontaminationsquellen

„Diesem Befund müssen wir auf den Grund gehen“, sagte Professor Dr. Georg Backhaus, Präsident des Julius-Kühn-Instituts. Bekannt ist, dass antibiotikaresistente Bakterien in Gülle, Klärschlamm, Boden und Gewässern vorkommen. „Dieser besorgniserregende Nachweis auf Pflanzen reiht sich in ähnliche Befunde bei anderen Lebensmitteln ein“, ergänzt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung. „Was dies für das gesundheitliche Risiko von VerbraucherInnen bedeutet, wird jetzt vordringlich bewertet.“

Antibiotikaresitenzen beunruhigen die Deutschen aktuell am meisten wenn sie an das Thema Lebensmittelsicherheit denken.
Antibiotikaresitenzen beunruhigen die Deutschen aktuell am meisten wenn sie an das Thema Lebensmittelsicherheit denken. (Bild: © Statista Quelle: BfR)

Resistom: Gesamtheit der übertragbaren Antibiotika-Resistenzgene auf Salaten untersucht

Für die Untersuchungen erwarb die Arbeitsgruppe von Professor Smalla in deutschen Supermärkten Mix-Salate, Rucola und die Gewürzpflanze Koriander. Die Proben wurden anschließend untersucht, um die Gesamtheit der übertragbaren Antibiotika-Resistenzgene (die Forscher sprechen vom übertragbaren Resistom) in Escherichia coli, einem meist harmlosen Darmkeim, auf diesen Lebensmitteln zu ermitteln.

Die ExpertInnen konzentrierten sich bei den Untersuchungen auf den Teil der Escherichia coli-Bakterien, die gegen den Wirkstoff Tetrazyklin resistent sind. Denn Tetrazyklinantibiotika werden in der Tierhaltung eingesetzt, wo sie etwa im Darm der Nutztiere die Entwicklung und Vermehrung resistenter Keime fördern können. Diese Keime, aber auch ein Teil der Antibiotika werden ausgeschieden und kommen dann über organische Dünger wie Gülle auf die Felder.

Multiresistenzen gefunden

Smallas Fazit: „Die Ergebnisse aus den umfangreichen Untersuchungen zeigen eindeutig, dass eine beachtliche Vielfalt von übertragbaren Plasmiden, das sind außerhalb der Chromosomen vorkommende Erbträger in Bakterien, mit Resistenzgenen in den E. coli aus Frischeprodukten gefunden wurde. Diese tragen Resistenzen gegen jeweils mehrere Antibiotikaklassen. E. coli-Bakterien mit diesen Eigenschaften waren auf allen drei geprüften Lebensmitteln zu finden.“

Resistenzgene: Horizontaler Gentransfer macht Ergebnisse problematisch

Kommen solche an sich harmlose Bakterien auf pflanzlichen Lebensmitteln vor, können sie bei deren Rohverzehr in den menschlichen Darm gelangen. Einmal aufgenommen, können die Bakterien ihre Plasmide im Darm an dort vielleicht vorkommende krankmachende Bakterien weitergeben. Man bezeichnet das als horizontalen Gentransfer. In der Natur versetzt der horizontale Gentransfer Bakterien in die Lage, sich schnell an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. Wird ein Patient mit Antibiotika behandelt, haben Bakterien, die solche übertragbaren Resistenzgene in ihr Erbgut aufgenommen haben, einen Vorteil und vermehren sich stärker als ihre nicht so ausgestatteten Konkurrenten.

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