Suchen

Pilzerkrankung Der Einfluss einer Pilzerkrankung bei Schweinen wurde unterschätzt

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Für Landwirte ist die Erkrankung von Nutzvieh eine ernste Angelegenheit – breiten sich Krankheiten in Herden aus, ist oftmals die Existenz bedroht. Wissenschafter der Vetmeduni Vienna habe jetzt entdeckt, das der als relativ harmlos geltende Pilz Pneumocystis carinii, das Problem von Folgeerkrankungen bei Schweinen nach sich ziehen kann.

Firmen zum Thema

Bei älteren Ferkeln sind neben dem Pilz Pneumocystis carinii auch schon Bakterien nachweisbar.
Bei älteren Ferkeln sind neben dem Pilz Pneumocystis carinii auch schon Bakterien nachweisbar.
(Bild: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna)

Wien/Österreich – Bei Atemwegserkrankungen von Schweinen kommt es typischerweise zu Mehrfachinfektionen durch unterschiedliche Erreger. Einige der Erreger spielen für den Krankheitsverlauf eine größere Rolle als andere. Der Pilz Pneumocystis carinii ist zwar ein relativ häufiger Grund für Lungenentzündungen bei österreichischen Schweinen. Die Rolle von Pneumocystis carinii blieb trotzdem bis dato weitgehend unerforscht. Er gilt als minder gefährlich, da er wahrscheinlich andere Grunderkrankungen braucht, die die Immunabwehr des Tieres ausreichend schwächen.

Ein Forschungsteam der Vetmeduni Vienna bestimmte nun wie anfällig Ferkel für den Pilz sind und wie er mit anderen Erregern im Krankheitsverlauf in Zusammenhang steht. Es zeigte sich, dass der Pilz eine gewichtigere Rolle bei einer Lungenentzündung einnimmt als bisher angenommen. Um Pneumocystis bei einer Untersuchung allerdings auf die Spur zu kommen, bedarf es einer Lungenspülung. Diese ist für die Tiere jedoch schonender als andere Methoden der Probennahme.

Pneumocystis kommt bei kranken Ferkeln in jeder Altersstufe vor

Die Forschenden untersuchten zuerst archivierte Proben von erkrankten Ferkeln auf den Pilz und andere Erreger. Pneumocystis kam in jeder Altersstufe der Ferkel vor. Bei den neugeborenen Ferkeln war nur der Pilz in der Lunge nachweisbar. Je älter die Ferkel waren, desto mehr Bakterien konnten zusätzlich nachgewiesen werden. Pneumocystis selbst war in diesem Fall nicht mehr so präsent wie bei den neugeborenen Ferkeln. Er schien sich aber vor den Bakterien ausgebreitet zu haben.

Das weist den Pilz als Türöffner für Folgeinfektionen aus. „Zuerst breitet sich der Pilz entlang der Wände der Lungenbläschen aus. Dann vermehrt er sich und füllt von den Wänden aus die Lungenbläschen an. Damit ist das Lungengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Und, im geschädigten Gewebe können sich Bakterien besser vermehren.“, beschreibt Christiane Weissenbacher-Lang vom Institut für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin den möglichen Infektionsverlauf.

Pilz nur mit Lungenspülung in lebenden Schweinen nachweisbar

Den Infektionsverlauf kann man im Labor gut anhand von Lungenbiopsien zeigen. Bei lebenden Schweinen ist diese Art der Probennahme allerdings schwierig und eignet sich nicht für Routinekontrollen. Das Team um Weissenbacher-Lang testete deshalb ob sich Speichel und Lungenspülungen von kranken Schweinen für einen Nachweis eignen. Die Spülungen sind schonender und mit geringerem Aufwand verbunden als die Biopsien. Sie bieten außerdem den Vorteil, dass Material aus der gesamten Lunge gesammelt wird.

(ID:44181190)