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„Planlose“ gezielt einsetzen Simultane Labor- und Produktionsplanung als Add-On zu SAP ERP

| Autor / Redakteur: Dr. Winfried Jänicke et al.* / Dr. Ilka Ottleben

Der Prozess der Laborplanung ist komplex und längst in unterschiedlichster Weise softwaregestützt. Seitens der Nutzer und Betreiber eines Labors ist es häufig wünschenswert, auch die zukünftige Belastung der Labore transparent und planbar zu machen.

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Abb.1: Wie kann SAP ERP zur Laborplanung eingesetzt werden?
Abb.1: Wie kann SAP ERP zur Laborplanung eingesetzt werden?
(Bild: ©i3d_vr - stock.adobe.com / Fotolia.com)

SAP ERP ist das Hauptprodukt des deutschen Software-Unternehmens SAP SE. ERP steht für Enterprise-Resource-Planning oder Unternehmens-Informationssystem. Es erlaubt es seinen Anwendern, alle geschäftsrelevanten Bereiche eines Unternehmens im Zusammenhang betrachten zu können. Das darauf basierende Qualitätsmanagementtool SAP ERP/QM wird auch zur Unterstützung der Laborplanung eingesetzt – allerdings besteht dabei Optimierungspotenzial. Spricht man mit Laborleitern, so gibt es die folgenden Wünschen nach Verbesserungen beim Einsatz von SAP ERP/QM:

  • Zeige die zukünftige Belastung der Labore aufgrund der zu erwartenden Produktion, wie sie nach den Ergebnissen des MRP-Laufs (Material Requirement Planning, Materialbedarfsplanung) aktuell prognostiziert ist.
  • Stütze die Zuweisung von Personal zu den einzelnen Prüflosen.
  • Glätte die Auslastung von Personal und Geräten durch zeitliches Verschieben und Zusammenfassen von Prüflosen sowie durch Veränderung des Kapazitätsangebotes und/oder Laborverlagerung.
  • Alarmiere bei Defekten, die sich aus dem Zusammenhang zwischen Produktion und Labor ergeben (Produktionsplanänderungen, unfreies Verpacken, …).
  • Stelle eine Kommunikationsplattform mit der Produktionsplanung bereit, um zu vermeiden, dass fehlende Prüfungen zu Produktionsverzögerungen führen.
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Der letzte Wunsch stimmt auch mit den Wünschen der Produktionsplaner und Supply Chain Manager überein, die sich bei der Nutzung von SAP ERP PP und PP-PI ebenfalls eine Kommunikationsplattform wünschen. Supply Chain Manager beklagen darüber hinaus das „schwarze Loch“ Labor in der logistischen Kette, das sie über Standarddurchlaufzeiten abbilden müssen, ohne zu wissen, ob zu viel oder zu wenig Kapazität im Labor verfügbar ist. Daraus leitet sich der Wunsch ab, die Durchlaufzeit der logistischen Kette nicht nur in der Produktion, sondern auch im Labor beeinflussen zu können. Es gibt eine Reihe objektiver Hinderungsgründe diese Wünsche zu bedienen:

  • Prüflose werden in SAP ERP/QM meist erst nach Freigabe der Prozessaufträge bzw. nach Wareneingang automatisch angelegt. Damit sind die Prüflose meist nur im Kurzfristbereich verfügbar und kaum zur Planung geeignet.
  • Die Kapazitätsbedarfe der Prüfpläne sind oft nicht ausreichend in SAP gepflegt, sodass man den Aufwand zur Behebung dieses Defizites fürchtet.
  • Bei Prüfungen überwiegt in vielen Fällen der Aufwand für die Vor- und Nachbereitung, sodass man durch Zusammenfassung von Prüfaufträgen eine sehr starke Reduktion des Kapazitätsbedarfes erreicht. Demzufolge kann man nicht formal mehrere Prüfpläne kapazitiv einplanen, da dadurch eine Überschätzung des Kapazitätsbedarfes entsteht. Man benötigt zusätzlich Modellierungs- und Kampagnenplanungsmethoden.

Natürlich gibt es auch subjektive Hinderungsgründe: Man ist aufgrund der Wichtigkeit der Qualitätssicherung oft geneigt, Labore etwas größer auszulegen, sodass mit ausreichend Kapazität Auslastungsspitzen abgefangen werden können. In diesem Sinn ist der Return on Invest (ROI) bei solchen Projekten nicht einfach zu ermitteln. Trotzdem gibt es einige Lösungen, bei denen eine Laborplanung auf Basis der Daten aus SAP ERP/QM schon heute durchgeführt wird [1-3].

Stützung der Laborplanung

Das Haupthindernis für die Etablierung einer Planung auf Basis von SAP ERP/QM Daten ist das Fehlen von Prüflosen für die weitere Zukunft. In einigen Firmen hat man sich dazu Tools durch Individualprogrammierung geschaffen, indem man Listen von „Zukunftsobjekten“ wie Bestellungen, Bestellanforderungen, Fertigungs-/Prozessaufträgen, Planaufträgen erstellt, zu denen irgendwann einmal ein Prüflos erzeugt werden wird. Meist setzt man dann Microsoft Excel ein und erkennt durch scharfes „Hinschauen“ ein Belastungsprofil für die Labore.

Besser scheint es aber zu sein, in Analogie zum „Planauftrag“, im Resultat des MRP-Laufes automatisiert „Planlose“ zu erstellen. Ein Planlos ist der Hinweis an einen Laborplaner, dass nach jetzigem Wissen in der Zukunft ein „Prüflos“ durch SAP erzeugt werden wird. Weiter kann man zu Bestellungen sowie zu nicht freigegebenem Fertigungs-/Prozessauftrag ebenfalls Planlose erzeugen.

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